Knochenaufbau vor dem Implantat
Wann ist er nötig und was kostet er?
Oft hören Patientinnen und Patienten beim Erstgespräch, dass ihr Knochen für ein Implantat nicht ausreicht. Was das bedeutet, warum Knochen überhaupt schwindet und was ein Aufbau kostet wird hier erklärt.
Das Wichtigste im Überblick
Nach einem Zahnverlust baut sich der Kieferknochen ab – ohne Implantat über Jahre hinweg. Ist zu wenig Knochen vorhanden, muss vor dem Implantat Knochen aufgebaut werden. Methoden: Knochenersatzmaterial (häufigste Methode), autologer eigener Knochen (aufwändiger, beste Ergebnisse) oder Sinuslift für den Oberkiefer. Der Aufbau verzögert die Implantatbehandlung in den meisten Fällen um 4–9 Monate. Die GKV übernimmt einen Knochenaufbau vor einem Implantat in aller Regel nicht – nur in seltenen schweren Ausnahmefällen kann ein Antrag gestellt und eine Kostenübernahme geprüft werden. Wer auf den empfohlenen Aufbau verzichtet, riskiert Implantatversagen.
Warum schwindet Knochen nach einem Zahnverlust?
Der Kieferknochen existiert, um Zähne zu halten. Wenn ein Zahn fehlt, erhält der Knochen an dieser Stelle keinen Druck mehr – und er baut sich ab. Dieser Prozess beginnt innerhalb von Wochen und schreitet ohne Implantat über Jahre fort.
Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum Zahnärzte empfehlen, fehlende Zähne zeitnah zu ersetzen. Je länger gewartet wird, desto weniger Knochen bleibt – und desto aufwändiger (und teurer) wird ein späterer Aufbau.
Auch eine langjährige Parodontitis kann Knochen zerstören. Patienten, die Zähne wegen Parodontitis verloren haben, starten häufig mit schlechterer Knochensituation als Patienten mit Unfallverlust.
Wann ist ein Knochenaufbau vor dem Implantat nötig?
Der Zahnarzt oder Oralchirurg beurteilt die Knochensituation anhand einer 3D-Röntgenaufnahme (DVT). Ist der Knochen zu schmal, zu flach oder zu weich, reicht er nicht aus, um ein Implantat stabil zu verankern.
Typische Situationen für einen Knochenaufbau:
- Lange Zahnlücke (Jahre ohne Implantat)
- Starker Knochenverlust durch Parodontitis
- Zahnverlust nach Infektion oder Abszess
- Knochenvolumen nach Extraktion zu gering
Welche Methoden des Knochenaufbaus gibt es?
Knochenersatzmaterial (synthetisch oder von Spendergewebe)
Granulat- oder Membranmaterial wird in den defekten Bereich eingebracht und bildet ein Gerüst, in das der körpereigene Knochen einwächst. Heute die häufigste Methode, da sie gut verträglich und vorhersehbar ist.
Autologer Knochen (eigener Knochen)
Knochen wird an einer anderen Stelle des Kiefers oder aus dem Beckenkamm entnommen und transplantiert. Sehr gute Ergebnisse, aber aufwändigerer Eingriff.
Sinuslift
Eine Sonderform des Knochenaufbaus für den Oberkiefer, bei der der Boden der Kieferhöhle angehoben wird. Mehr dazu auf der Sinuslift-Seite.
→ Mehr dazu: Sinuslift – was steckt hinter diesem Eingriff?
Wie lange dauert ein Knochenaufbau und verzögert er das Implantat?
In den meisten Fällen ja – ein Knochenaufbau verzögert die Implantatbehandlung um vier bis neun Monate, weil der neue Knochen erst einwachsen und reifen muss, bevor ein Implantat stabil verankert werden kann.
In manchen Fällen kann der Knochenaufbau gleichzeitig mit dem Implantatsetzen erfolgen – das nennt sich simultanes Vorgehen. Ob das möglich ist, entscheidet der Chirurg anhand der Schwere des Defekts.
Was kostet ein Knochenaufbau?
| Art des Aufbaus | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Kleiner Knochenaufbau (lokal) | 500 – 1.500 € |
| Größerer Aufbau mit Membran | 1.500 – 3.000 € |
| Sinuslift | 1.000 – 3.500 € |
| Eigenknochen (autolog) | 2.000 – 5.000 € |
Die GKV übernimmt einen Knochenaufbau vor einem Implantat in aller Regel nicht. Nur in seltenen schweren Ausnahmefällen kann ein Antrag gestellt und eine Kostenübernahme geprüft werden.
Was passiert, wenn man auf den Knochenaufbau verzichtet?
Ein Implantat ohne ausreichenden Knochen ist nicht dauerhaft stabil. Es kann sich lockern, kippen oder langfristig versagen. Das bedeutet: erneuter Eingriff, mehr Kosten, mehr Zeit.
Wer die Empfehlung zum Knochenaufbau erhält, sollte ihr folgen – oder eine fachkundige Zweitmeinung bei einem Oralchirurgen einholen, nicht die Empfehlung ignorieren.